Samir & Samira-Der Fluch der Dschinniya

Prinzessin Samiras Vater gab einst ein furchtbares Versprechen ab, um ihr damit das Leben zu retten. Keinen Moment dachte er daran, was er ihr damit für ihr weiteres Leben antat. Wie können sie sich von diesem Fluch befreien? Um das einst sehr kranke Baby zu heilen, suchte Sultan Ali Ben Achmed Hilfe bei einer Dschinniya. Aisha Quandisha , die Heilige der Dschinns.
Doch was diese als Bezahlung verlangte, würde für seine Tochter Samira ein lebenslanger Fluch sein. Und nur wahre, aufrichtige Liebe könnte diesen lösen. Doch wer würde Samira noch lieben? Mit der Fratze einer Dschinniya!


Samira blickte ihren Vater, den Sultan Ali ben Ahmed, ungläubig mit ihren großen braunen Augen an. "Was meinst du mit, es wäre Zeit mir die Wahrheit zu sagen, Vater?" Ali sin Ahmed, ein stattlicher Mann mit gütigem Gesicht, zupfte verlegen an seinem schon leicht ergrauten Barte. "Setz dich zu mir mein Kind", meinte er nun und zeigte auf den Platz neben sich, "was ich dir nun zu sagen habe, sollte nicht im Stehen statt finden." Samiras langes schwarzes Haar bewegte sich im Abendwind, der lau durch das geöffnete Fenster wehte an , dem sie stand.  Die letzten Sonnenstrahlen ließen ihr goldenes Diadem aufblitzen, welches sie als Zierde sich heute, dem Tag ihrer Volljährigkeit, ins Haar gesteckt hatte. Mit dem Wind wehte der Duft von Couscous , einem Hauch von Koriader, Kreuzkümmel und Zimt in den Raum, die Köche des Sultans bereiteten das Festessen vor. Emsigkeit herrschte im gesamten Palast. Nur das Beste sollte zum Ehrentag der jüngsten Tochter des Sultans von Nadorja aufgetischt werden. Alles sollte Glänzen, in Einheit mit dem Glanz der unbeschreiblichen Schönheit der Sultan Tochter. Samira schaute auf ihren Vater, der, schon im Festgewand, auf dem Diwan saß. Irgendwie sah dieser Mann, der so gütig über sein Volk herrschte, heute etwas verloren aus . Seine Stirn zog sich in Kummerfalten, eine vorwitzige graue Locke lugte unter dem Turban hervor, der mit roten Rubinen besetzt war und den er nur zu Festtagen trug. Samira seufzte. Wie sehr sie diesen Mann doch liebte. Wird er ihr heute weh tun müssen ? Was war es, was seine Wahrheit war und ihm wohl Kummer machte, von dem sie bisher nichts ahnte? Langsam durchschritt sie das pompöse Zimmer, das ganz in blau und gold gehalten war. Die Farben, die ihre Mutter einst so liebte. Ihre Mutter, die bei ihrer Geburt starb und die Samira nie kennen lernen durfte.  Doch aus jedem Gemälde von ihr, die jeden Raum des Palastes zierten, entsprang auch noch heute die grenzenlose Schönheit und Güte, die ihre Mutter einst ausstrahlte. " Was bedrückt dich Vater ? " fragte Samira nun und ließ sich an ihres Vaters Seite auf dem Diwan nieder. Ali ben Ahmed nahm die zarte Hand seiner Tochter in die Seine und seufzte tief auf. Der stattliche Sultan schien in sich zusammen zu fallen , als er nun seiner Tochter traurig in die großen braunen Augen schaute. Von drausßen hörte man neben lieblichen Vogelgezwitscher die Stimme des Hofkochs, der mit einem Lautem "Yalla, yalla" die Küchenjungen antrieb. Der Sultan stand auf, ging mit schweren Schritten zu dem Fenster, schloss es und blieb gedankenverloren davor stehen. Sein Blick verlor sich am Horizont der untergehenden Sonne und mit dem Rücken zu Samira stehend begann er zu erzählen.

"Mein Kind, " begann er, " was ich dir jetzt zu sagen habe, trug ich 18 lange Jahre lang in meinem Herzen mit herum. Schwer wie ein Buckel auf meinem Kreuze." Samira rutschte nervös auf dem Diwan hin und her. Nur das Rascheln des seidigen Stoffes ihres Festkleides durchbrach die Stille, die auf einmal wie ein Demokles schwert im Raume lag. "Bitte, erzähle weiter Vater, " bat Samira nun, als ihr das Schweigen des Vaters schier nicht mehr aus haltbar schien. Mit einem tiefen Atemzug fuhr der Sultan fort.  " Deine Mutter, die du ja leider nicht mehr kennen-lernen durftest, war mir das Liebste auf der Welt. Sie war wunderschön, du bist ihr Ebenbild, weise und gütig. Und sie war stark. Sie gebar mir zwei Söhne und viele Jahre später sollte sich mein Wunsch nach einer Prinzessin, einem Ebenbild deiner Mutter erfüllen. Doch diesmal schwächte Etwas deine Mutter und somit auch dich. Unter großen Komplikationen brachte sie dich auf die Welt, doch das Fieber packte euch beide. In meiner Not, meiner riesen Angst euch beide zu verlieren, tat ich etwas , was mein ganzes Leben verändern sollte.  Denn ich rief nicht die Güte Allahs und seiner Engel zu Hilfe, ich rief Aisha Quandisha , die Heilige der  Dschinns. Aisha bringt Krankheiten über die Menschen und wer sie bringt, dachte ich, der kann sie auch wieder nehmen. Ich habe mich versündigt, mein Kind. Statt in die Hand der heiligen Fatima,legte ich euer Schicksal in die Hand einer Dschinniya. "  Wieder seufzte der Sultan tief auf. Samira hielt nichts mehr auf dem Diwan und sie trat zu ihrem Vater, nahm seine zitterten Hände in die Ihrigen und bat ihn mit stockender Stimme weiter zu erzählen.

" Aisha war eine Schlange," brachte der Sultan zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, " sie suhlte sich in meinem Schmerze und nahm deine Mutter mit sich, wie konnte ich auch nur einen Moment Gnade von einem solchen gottlosen Geschöpf erwarten. Ich flehte sie an mir wenigstens das Kind zu lassen, versprach ihr mich von Allah loszusagen und auf alle Ewigkeit den Dschinns zu dienen. Doch das genügte ihr nicht und sie lachte mich hämisch mit ihrer hässlichen Fratze an. " Mehr ist dir das Leben deines Kindes nicht wert ? " fragte sie, wobei sie dich auf den Armen hielt,durch den Raum tanzte und mit jeder fast wahnsinnig wirkenden Umdrehung das Fieber wachsen ließ , welches von dir Besitz genommen hatte. " Was willst du denn noch ?" schrie ich sie an. Ich bot ihr meinen Reichtum an, aber auch diesen schlug sie aus. Sie schlich um mich herum und streckte mir das glühende Bündel Kind entgegen. "Das will ich, " sagte sie mit einem Lachen, das schier aus der Hölle kommen musste, " ich will die Schönheit diese Kindes !  " Ich war so besorgt um dich, das ich auf Knien vor ihr lag und sie anflehte ihre Bedingungen zu äußern. Ich gebe ihr was sie wolle, nur sollte sie mir mein Kind lassen. Hier stockte der Sultan wieder mit seiner Erzählung und griff nach Halt suchend zur marmornen Fensterbank. Dort stützte er sich schwer auf, die Ader an seinem Halse offenbarte das starke Klopfen seines Herzens. Samira schaute ihren Vater ungläubig an. Ihre Schönheit ? Ja, aber diese besaß sie doch noch.

" Vater, bitte..ich muss alles wissen, wie ging es weiter ? " Wie durch einen Schleier vernahm nun Samira wieder die Stimme ihres Vaters. " Ich musste Aisha versprechen, deine Schönheit sich achtzehn Jahre lang entfalten zu lassen und am Tage deiner Volljährigkeit nach Mitternacht, würde sie sie dir nehmen. Und ihre eigene Hässlichkeit sollte dein Antlitz von dieser Stunde an beherrschen, so dass dich niemals ein Mann lieben und zur Frau nehmen wird. Du warst mein Kind. Ein Teil deiner Mutter. Entstanden aus unserer Liebe. Und ich wusste, ich würde dich lieben. Immer, ob schön oder hässlich. Und stimmte dem zu." Bei seinem letzten Satz brach er nun endgültig, mit dem Kopf auf dem Schoße seiner Tochter ,zusammen.

"Mein Kind,ich war so egoistisch. Ich dachte nur an mich, und nicht was ich dir damit antun würde." schlutzte er und sah Tränen überströmt in das hübsche Gesicht von seiner Tochter, die stumm und geschockt ins Nichts schaute. Was hatte ihr Vater da nur getan? Langsam wandte sie ihm sich nun zu und eine  Träne rollte dabei leise ihre Wangen hinunter. “ Oh mein Gott, was hast du nur getan Vater? Lieber wäre ich doch tot, als hässlich und ungeliebt, versteckt hinter Mauern leben zu müssen! Denn verstecken werde ich mich wohl müssen, mit dem Aussehen einer Dschinniya. Ali erhob sich nun und nahm die Hände seiner Tochter in die Seinen. “ Vielleicht wollte sie mir ja nur Angst machen, mein Kind. Ich habe all die Jahre nichts mehr von Aisha gehört. Vielleicht hat sie es ja schon längst vergessen.” Doch er wusste genauso gut wie Samira auch, dass ein Fluch, sowie er ausgesprochen ist, sich auch bewahrheiten wird.

Samira dachte nun an Hisham, der ihr erst vor drei Tagen seine Liebe geschworen hatte. Nun schlug sie entsetzt die Hände vor ihr Gesicht. Er wird mich verstoßen! dachte sie. Wie soll er mich hässlich auch noch lieben können? Das Leid stand ihr nun ins Gesicht geschrieben, als sie ihre Gedanken jetzt auch ihrem Vater mit zitternder Stimme mitteilte. Doch dieser sah seiner noch hübschen Tochter fest in die Augen. "Wenn er dich wirklich von Herzen liebt, mein Kind, dann wird er dich unabhängig von deinem Aussehen lieben!" Samira schüttelte den Kopf. "Nein Vater, niemand wird mich so lieben können und nur Liebe wirkt gegen den Fluch einer Dschinniya." Ali verstummte. Er wusste, dass seine Tochter wohl recht hatte. Allah, was hatte er nur getan? Er wollte seiner Tochter ihr Leben, trotz der Hässlichkeit, die bald von ihr Besitz ergreifen würde, so schön und wertvoll gestalten, wie es in seiner Macht steht. Er nahm seine Tochter in den Arm. "Habibi, dir soll an nichts fehlen in deinem Leben, ich werde immer an deiner Seite sein." Jedoch wusste er, dass auch das keinen liebenden Partner wird ersetzen können. Stumm hielten sie sich jetzt einfach nur fest, bis der Muezzin zum Mittag Gebet rief.

In der Küche des Palastes waren viele fleißige Hände damit beschäftigt das Abendessen für die Feier der Prinzessin fertig zu bekommen. Es wurden viele, und vor allem adelige Gäste erwartet. Karim strich sich eine seiner dunklen Locken aus der Stirn, an der kleine Schweißperlen klebten. Die Hitze in der Küche war im Sommer kaum auszuhalten. Dennoch führte er jede seiner Bewegungen sehr sorgsam und mit viel Liebe aus. Das tat er bei allem, was er für die Prinzessin tat. Kurz fiel der hübsche junge, gut gewachsene Mann mit den wundervollen Graugrünen Augen in einen Tagtraum. Da sah er sie! Die Frau, die er schon von Kind auf bewunderte, die Frau, die so hübsch war wie ein Sommertag und deren Herz so groß war wie die Weite der Wüste. Die Frau, die heute ihre Volljährigkeit feierte. Prinzessin Samira! Sie war ihm so nah und doch unerreichbar. Unerreichbar für ihn, Samir, dem Küchengehilfe. Samir wusste, dass er seine Liebe zu Samira niemals öffentlich zeigen durfte, das wäre gegenüber der Sultan Familie einer Beleidigung gleich. Und so küsste er seine Angebetete immer nur in seinen Träumen. Aus diesen riss ihn nun die Stimme seines Vaters, dem Koch des Sultans."Samir! Träume nicht ! In einer halben Stunde müssen wir servieren!" Samir nickte nur und verzierte die letzte der Platten mit frischen Minz Blättern. Seine Träume um Samira mussten jetzt bis zur Schlafenszeit warten.  Es war acht Uhr am Abend, als sich die Gäste der Prinzessin gut gelaunt an dem großen prunkvollen Tisch versammelten. Samira lächelte jeden zur Begrüßung an, doch konnte sie das laute Gemurmel, vor allem das der Damen, kaum ertragen. Es kostete sie alle Kraft ihren Gästen nicht zu zeigen, welche Angst von ihr Besitz ergriffen hatte. Neben ihr stand Hisham und zog ihr nun den Stuhl zurück, damit sie Platz nehmen konnte. Verliebt schaute er sie dabei an. "Du bist wie immer wunderschön an diesem Abend, mein Augenstern." Außer ihrer Schönheit jedoch, schien er nichts wahrzunehmen, merkte nichts von Samiras Zustand. In die Tiefe schauen war nicht gerade eine der Fähigkeiten dieses verwöhnten jungen Mannes. Zwar stammte er aus einem alten orientalischem Adelsgeschlecht, was jedoch niemand wusste, war seine Familie mittlerweile verarmt und konnte sich gerade noch so über Wasser halten. Eine Heirat mit der reichsten Erbin des Orients sollte da Abhilfe schaffen und da diese von einer lieblichen Schönheit war, erfüllte Hisham seinen Eltern diesen Wunsch gerne. Davon wusste Samira allerdings nichts, zweifelte nicht an seinen verliebten Worten und verlor ihr Herz an diesen gut aussehenden Prinzen. Sie verlobten sich sehr schnell und nach Samiras Volljährigkeit, sollte im Palast die Hochzeit statt finden. Samira musste diese Neuigkeit damals gleich Samir, ihrem Freund aus Kindertagen erzählen. Er war der Sohn des Kochs und sie wuchsen zusammen auf. Ihr Vater sah diese Freundschaft nicht sehr gerne, aber nichts konnte diese zwei Kinder auseinander bringen. Sie waren Seelenverwandte und erzählten sich alles! Bis auf die Tatsache eben, dass Samir, zum Mann heran gewachsen merkte, wie sich seine Gefühle für die Prinzessin veränderten. Das durfte er nicht! Es würde alles zerstören. Würde ihre Freundschaft zerstören und Samir und sein Vater würden aus dem Palast gewiesen werden. Und so ahnte Samira nichts davon, wie es Samir das Herz zerbrach, als er von der Hochzeit hörte. Und dennoch wünschte er ihr alles Gute, denn alles was er für sie wollte, war dass sie glücklich war. Auch wenn dies sein eigenes Unglück bedeutete.  

Samira wurde an diesem Abend reich beschenkt, doch freuen konnte sie sich über nichts. Wenn ihr Vater recht hatte, so würde sie in ein paar Stunden grottenhässlich sein! Innerlich zitterte sie am ganzen Körper und stocherte lustlos in ihrem Essen herum. Hisham sah sie fragend an.“ Schmeckt es dir nicht, Liebes?“ Samira versuchte kläglich ein Lächeln zusammen zu bringen.“Doch, doch, ich habe nur keinen großen Appetit heute, Hisham.“ Hisham sah sie abschätzend an. „ Du wirst doch nicht etwa krank werden ,Samira?“ Krank, dachte Samira tot traurig, wenn es nur das wäre. Sie hielt es jetzt einfach nicht mehr länger aus, warf Hisham ein „Entschuldige bitte“ zu und rannte unter den erstaunten Blicken der Gäste aus dem Saal. Was hatte die Prinzessin nur, fragten sich diese und ein lautes Gemurmel brach aus. Ali ben Achmed schaute entschuldigend in die Runde. „Esst bitte weiter, ich werde nach Samira schauen. Ihr ist wohl unwohl.“ Dabei konnte er sich schon denken warum sein geliebtes Kind die Flucht ergriffen hatte. Er hoffte nur, dass sie sich nichts unüberlegtes antun würde! Schwer ging er nun die Treppen hoch zu Samiras Gemach und fand sie dort Tränen überströmt, weinend auf ihren großen Bett mit dem goldenen Baldachin. Es zerisß ihm sein Herz sein Kind so zu sehen und er war Schuld daran! Er setzte sich nun neben sie auf das Bett und strich ihr die Tränennassen Haare von der Wange. „Mein Kind, ich wünschte ich hätte Worte des Trostes, aber ich weiß, dass nichts dich wird trösten können. Und ich bin Schuld an allem und weiß nicht, ob ich mit dieser Schuld leben kann!“ Bei diesen Worten schmiss sich Samira in die Arme ihres Vaters. „Sprich nicht so Baba, du hast unüberlegt aus Liebe gehandelt und um mein Leben gekämpft! Und in dieser Angst wohl nicht weiter gedacht. Ich habe Angst, Baba. Ob diese Verwandlung sehr weh tun wird? Oder wird es einfach im Schlaf passieren?“ Ali strich ihr mitfühlend über ihr Haar. „Ich weiß es nicht, mein Kind, aber ich hoffe, wenn es passiert, dass es wenigstens schmerzlos passiert. Hast du mit Hisham darüber gesprochen?“ Samira stand abrupt auf. „ Nein! Er darf nichts davon erfahren! Niemals soll er mich mit dem Gesicht einer Dschinniya sehen!“ Ali drehte sich zu ihr um „Aber mein Kind, seine Liebe könnte doch den Fluch brechen.“ Samira schüttelte bestimmt ihren Kopf.“ Nein! Sollte sich dieser Fluch bewahrheiten, Baba, wird mich kein Mensch jemals wieder ansehen müssen!“ Jetzt liefen dem Sultan die Tränen die Wange hinunter und er schämte sich nicht dafür. „ Aber mein Kind, ich liebe dich doch, egal wie du aussehen wirst! Du kannst dich doch nicht dein Leben lang weg sperren!“ Wenn sie das tat, dann hatte er, trotz Annahme der Bedingung von Aisha, seine Tochter doch verloren. „Vertraue dich wenigstens Hisham an!“ bettelte er jetzt und nahm die Hände seiner Tochter in die Seinen. „Niemals!“ wehrte Samira ab und wies zum Bild ihrer Mutter. „ Nur noch Mutter wird mich zu sehen bekommen.“ flüsterte sie leise. „ Nur noch Mutter...“

Samir rührte verwundert den Schlaftrunk an, den die Prinzessin bei ihm geordert hatte. Seltsam, Schlafprobleme hatte sie doch noch nie gehabt, dachte er. Und warum war sie nicht bei ihren Gästen? War sie etwa krank? Er wollte sie gleich mal fragen. Vor ihrem Gemach klopfte er 2 mal kurz und dreimal lang an die Tür. So, wie er es schon als kleiner Junge tat. So konnte Samira immer wissen, dass er es war, der um Einlass bat. Sogleich wurde auch die Tür geöffnet und Samira ließ den Freund aus Kindertagen herein. Dieser stellte das Tablett ab und sah die Angebetete fragend an.“ Bist du krank Samira? Warum bist du denn nicht bei deinen Gästen? Und wofür der Schlaftrunk?“ Samira senkte die Augen. Kurz überlegte sie, wenigstens ihren besten Freund einzuweihen, aber verwarf den Gedanken schnell wieder. Nein, niemand sollte davon wissen, dachte sie und schwieg diesbezüglich. „ Nein, nein Samir, alles ist in Ordnung mit mir, ich habe nur ein wenig Kopfschmerzen und möchte mich gerne schlafen legen.“ Doch Samir kannte sie viel zu lange, als dass er ihr das abnehmen konnte. Er sah, dass da irgendwas in der Tiefe war, das ihr Angst machte und über das sie nicht reden wollte. Mit einem Lächeln sah er sie nun an.“ Samira, ich hoffe du weißt, dass du mir alles erzählen kannst, wenn dich etwas bedrückt. Ich werde immer an deiner Seite stehen.“ Samira lächelte nun. Guter, alter Freund.Sie ergriff seine Hände und nahm kurz wahr, wie männlich diese doch geworden waren.“ Lieber, guter Samir. Das weiß ich und das schätze ich wirklich auch sehr an dir. Aber es gibt wirklich nichts zu erzählen.“ Es tat ihr weh ihn anzulügen, aber es ging wirklich nicht anders. Ihre Verwandlung sollte ein Geheimnis bleiben! Samir blieb nun nicht mehr übrig als sich zu verabschieden. Den Wachen würde sonst auffallen, dass er länger als gewöhnlich im Gemach der Prinzessin verweilte, was ihn den Kopf kosten könnte.Er wusste nicht wieso, aber etwas verführte ihn dazu, noch kurz hinter der verschlossenen Türe zu lauschen. Etwas, was er sonst nie tat. Und was er dort hörte, machte ihn sehr nachdenklich.

Gegen halb elf bat Ali die Gäste für heute mal Schluss zu machen. Er hatte ihnen, sowie auch Hisham erzählt, dass die Prinzessin unter Kopfschmerzen litt und zu ruhen gedenke. Hisham verabschiedete sich als Letzter vom Sultan. „ Hoheit, grüßen sie Samira von mir, ich werde morgen im Laufe des Vormittags nach ihrem Wohlbefinden schauen.“ Ali nickte nur müde und machte sich auf den Weg zum Zimmer seiner Tochter. Doch sein Klopfen wurde nicht erhört. Ali legte ein Ohr an die Türe. Alles still. Da hatte wohl der Schlaftrunk schon seine Wirkung getan und er konnte um Mitternacht seiner Tochter nicht zur Seite stehen. Als gebrochener Mann ging auch er schlafen und schreckliche Alpträume begleiteten ihn die ganze Nacht. Schlaflos jedoch, lag Samir nachdenklich im Bett und dachte über Samira nach. An ihrer Türe lauschend hatte er hören können, wie sie wohl zu dem Bild ihrer Mutter sprach. Doch mit dem, was er dort vernahm, wusste er beim besten Willen nichts anzufangen. Warum bat Samira ihre Mutter ,sie in dieser Nacht zu beschützen? Und vor was? Seufzend blies er nun die Kerze aus. Spekulationen würden ihn auch nicht weiterbringen und die Nacht war kurz. Schon bald würde er wieder in die Hitze der Küche zurückkehren müssen. Stille legte sich nun über das Reich Nadorja, doch mit dieser Stille, sollte auch das Grauen seinen Einzug erhalten.


Ganz woanders, im dunklen Nirgendwo, das gerufen werden musste um es zu erreichen, rieb sich die  heilige der Dschinns vor freudig die schrulligen Hände. Hände mit langen, krummen ,grünen Fingernägeln. Vor sich hin kichernd sah sich sich im Spiegel an. Bald würde es vorbei sein mit dieser Hässlichkeit, bald würde sie das hübsche Antlitz der Prinzessin Samira besitzen. In nur 20 Minuten würde sich der Fluch erfüllen. Ihr Gesicht verzog sich nun zu einer Fratze, als sie zu ihrer Sklavin schaute, die auf einem Schemel saß und an einem Gewand nähte. Hart schlug sie mit einer Peitsche zu. „ Wird es bald! In 20 Minuten muss das Gewand fertig sein, das meine baldige Schönheit unterstreichen soll!“ Schmerzhaft zuckte die Angesprochene zusammen. „Ich bin sofort fertig, Herrin, höchstens noch zehn Stiche sind zu tun.“ Eine tiefe Traurigkeit stand in dem verhärmten Gesicht , in dem strähnig die fettigen Haare auf die Stirn fielen. Eifrig arbeiteten ihre knochigen Finger an dem goldenen Damast Stoff. Selten gab es was zu essen oder Wasser zur Hygiene für sie. Wie ein Tier wurde sie im Hause der Dschinniya festgehalten. Und sie wusste, dass er für sie kein Entrinnen geben würde und so übergab sie sich kampflos  ihrem schweren Schicksal.

Happy Holidays-Maddys sonderbare Reise ins Glück

Ausgerechnet kurz vor Weihnachten erwischt Maddy ihren Freund in den Armen einer Anderen. Es zerbricht ihr das Herz und die ganze Weihnachtsstimmung ist hin. Tränen, Liebesfilme, die Couch und Weihnachtsgebäck ist alles, was ihr geblieben ist. Doch plötzlich kommt da dieser Brief, der Maddy mitteilt, dass sie einen Kurzurlaub in Finnland in der Weihnachtsstadt Santa Claus Village gewonnen hat. Da wollte sie doch schon immer hin! Das Sonderbare an der Sache jedoch war, Maddy hatte niemals an einem Gewinnspiel teilgenommen! Eine magische Weihnachtsgeschichte über den Glauben an die Liebe


                                                                         Aus dem Manuskript: 

 Maddy wusste später nicht, wie sie es geschafft hatte, mit dem Auto gesund nach Hause zu kommen. Zweimal übersah sie eine Ampel und die Ausfahrt nahm sie auch viel zu scharf. Den ganzen Weg nachhause hat sie in einer Mischung aus Wut und Schmerz nur vor sich hin geweint. Mistkerle! Einer wie der Andere! Niemand wird mehr in ihr Herz gelassen, dann kann ihr auch keiner mehr weh tun! Erst das mit Thomas, ihrer ersten Liebe und jetzt auch noch Jens. Keiner von beiden hat ihre Liebe verdient! Tanja hatte da vollkommen recht. Als Maddy jetzt zur Tür hereintrat und sich im Spiegel sah, musste sie trotz der traurigen Lage plötzlich furchtbar lachen. Ich sehe ja aus wie ein Pandy Baby, das beim Waschen ausgelaufen ist! Sie wusch sich schnell die zerlaufene Schminke ab, wusch sich das Gesicht und ließ sich Wasser in die Wanne laufen. Ein heißes Bad und der Duft nach Patchouli ließen sie immer am besten Entspannen. Und danach wollte sie Tanja anrufen. Früher oder später würde sie es so und so erfahren.Gott sei Dank, war Tanja nicht der „Ich habe es dir ja gesagt!“- Mensch und so nahm sie Maddy einfach nur in den Arm, als diese ihr mit müden Augen die Haustür öffnete. Nachdem Maddy ihr am Telefon Bescheid gesagt hatte was passiert war, zögerte sie nicht lange und fuhr sofort zu ihrer Freundin um ihr beizustehen. Als Maddy in Tanjas Armen lag, brach dann auch schon der ganze Schmerz aus ihr heraus und zitternd weinte sie in Tanjas Mohair Pullover. „Ich hätte doch niemals gedacht, dass Jens mir so etwas antun könnte. Das Lügen schmerzt noch mehr als der Betrug!“ Tanja strich der Freundin tröstend über das Haar. „Mein armes Mäuschen, ich weiß wie weh dir das jetzt tut und dass dich wohl auch nichts trösten, oder den Schmerz nehmen kann, aber glaube mir, die Zeit verblasst alle Wunden.“       

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Das war nun schon fast zwei Wochen her. Maddy lag fast nur auf der Couch herum, schaute schnulzige Weihnachtsfilme und soviel Weihnachtsplätzchen wie sie dabei verbrauchte, so schnell kam sie mit dem Backen gar nicht nach. Jetzt biss sie grade kräftig einem Schoko-Weihnachtsmann den Kopf ab und stellte sich vor, es wäre der von Jens. Der Schmerz und die Wut wollten einfach nicht weniger werden, da half auch die Schokolade nicht. Mit mürrischem Gesicht warf sie den Rest des Weihnachtsmannes in die Mülltüte, die neben ihr stand. „Du bist auch männlich, außen süß und innen hohl, weg mit dir!“ Dann stand sie auf und versuchte ein wenig das Chaos um sie herum wegzuräumen. Der Tisch war voll leerer Pizza Schachteln, Schokoriegel Papier, Cola Dosen und auch eine fast leere Flasche Rotwein gesellte sich dazu. Von den ganzen Plätzchen Krümeln ganz zu schweigen. Maddy, in ihren alten karierten Plüsch Morgenmantel gehüllt, griff zur Flasche um den Rest darinnen noch auszutrinken. „Du bist zu schade für den Ausguss.“ Als sie am Garderoben Spiegel vorbeikam, schaute ihr ein müdes Gesicht mit tiefen Augenrändern entgegen. An Schlaf war kaum zu denken und wenn, dann war es immer wieder derselbe Alptraum von Jens und seinem Modepüppchen, der sie aufweckte. Alle Weihnachtsstimmung war hin und am liebsten hätte sie alles wieder abgeschmückt. Aber dafür fehlte ihr viel zu sehr der Antrieb.  Ausgerechnet vor Weihnachten muss das alles passieren, dachte sie traurig. Schon als Kind liebte sie diese magische Zeit, wenn sie auch damals, als ihr Vater die Familie verließ, einen großen Knacks bekam. Mit einem Schlag war ihre heile kleine Welt zusammengebrochen. Scheidung! Ihre Eltern hatten ihre Monatelangen Meinungsverschiedenheiten sehr gut vor ihr verstecken können und so merkte die damals Zwölfjährige nichts davon, bis zu dem Tag kurz vor Weihnachten, als ihre Mutter ihr einfach diese Worte hinklatschte: „Vater wird ausziehen, wir lassen uns scheiden!“ Maddy war wie vor den Kopf geschlagen und suchte, wie so viele Scheidungskinder, die Schuld bei sich. Hatte sie was falsch gemacht? Hätte sie sich mehr in der Schule anstrengen sollen? War vielleicht ihr Hobby, das Reiten zu teuer? Viele Jahre dauerte es, bis Maddy alt genug war, um zu verstehen, dass ihre Eltern sich einfach auseinander gelebt hatten. Als ihr Vater ging, gab es längst eine Andere in seinem Leben. Wütend schmiss sie nun die leere Weinflasche in den Mülleimer. „Und Jens musste es ihm gleichtun!“ Das Klingeln der Wohnungstür riss sie aus ihren Gedanken. Oh Gott, dachte sie, wer das wohl sein wird? So wie ich aussehe! Sie griff nach dem Gürtel ihre alten Morgenmantels und schloss diesen schnell, fuhr sich mit den Fingern durch ihre Haare, auch wenn da nichts mehr zu retten war, und griff dann zum Tür Hörer. „Ja, Bitte, wer ist denn da?“ Maddy hörte nur die Motoren der Autos auf der stark befahrenen Straße, bekam aber auch beim zweiten Nachfragen keine Antwort. Schulter zuckend legte sie den Hörer auf und schaute durch den Spion. Kurz schien es ihr, als würde sie ein glitzerndes Licht sehen, aber nein, auch vor der Tür stand niemand. Komisch, dachte sie und öffnete die Tür einen winzigen Spalt. Nichts. Sie wollte sich grade umdrehen, als ihr Blick auf ihre Fußmatte fiel. Das lag doch was! Maddy öffnete nun die Tür ganz und griff ratlos zu dem roten Briefumschlag, der auf der Matte lag. Nanu, seit wann legt denn der Briefträger die Post direkt vor die Tür? Neugierig drehte sie den Brief um, um nach dem Absender zu schauen. Nanu, dort stand nichts! Zumindest kein Name und auch keine Adresse. Dafür lächelte ihr ein lustig dreinschauender Sticker Weihnachtsmann entgegen. Leicht fröstelnd  schloss sie die Türe und schmiss den Brief auf die Couch, sicher nur eine Weihnachtskarte, den konnte sie später aufmachen. Maddy spülte schnell ab und musste plötzlich an Stella denken. Stella war ihre weiße Stute, die sie damals schweren Herzens verkaufen musste, weil ihr Studium ihr zu dieser Zeit weder genügend Zeit schenkte, um sich um das Tier zu kümmern, geschweige denn hatte sie genügend Geld für Unterkunft, Futter und Tierarzt Kosten. Lange Zeit hatte diese ihr Vater übernommen, doch eines Tages blieben diese Zahlungen plötzlich aus und Maddy wollte damals nicht nach dem Warum fragen. Ihr Vater wird dafür schon seine Gründe gehabt haben und betteln lag ihr nicht. Achh, was hatte sie die Ausritte mit Stella geliebt, vor allem die Ritte durch den verschneiten Taunus Winterwald waren himmlisch! Wenn sie hoch zu Ross saß, ihr im Galopp der Wind um die Nase wehte, dann konnte nichts ihr wehtun, alle Last des Alltags fiel dann von ihr ab. „Ach, mein Sternchen,“ seufzte Maddy nun“, du fehlst mir wahnsinnig und gerade jetzt bräuchte ich dich so sehr!“ Der Verkauf ging damals über den Stall Besitzer, Maddy hatte keine Ahnung wo Stella hingekommen war, und vielleicht war das ganz gut so. Der sonderbare Brief fiel ihr wieder ein. Sie kochte sich schnell noch einen Tee und ging dann zurück ins Wohnzimmer, setzte sich auf die Couch und nahm den Brief in die Hand. Nun doch etwas neugierig geworden, riss sie ihn schnell auf. Zum Vorschein kam wunderschönes Briefpapier, das ganz in den weihnachtlichen Farben Rot, Weiß und Grün gehalten war. Oben sah man ein glitzerndes verschneites Weihnachtsdorf mit einem Rentier Schlitten und auf einem Wegweiser las Maddy die Worte „Santa Claus Village Finnland“. Und das Sonderbarste an diesem Brief jedoch, war die Überschrift!
„Gewinnbenachrichtigung“ stand dort! Das wird ja immer komischer, dachte Maddy, denn sie hatte noch nie an einem Gewinnspiel teilgenommen. Sicher kannte sie Santa Claus Village, die „Heimat“ des Weihnachtsmannes, aber obwohl sie nichts lieber tun würde, als dort einmal Weihnachten zu verbringen, war es irgendwie nie dazu gekommen, dass sie dort einmal hinreiste. Vielleicht war das eine Verwechslung? Aber nein, dort stand ja ihr Name! Zwischen dem Brief zog Maddy noch ein Prospekt hervor, doch erst mal wollte sie den Brief lesen. Laut las sie nun die in Schönschrift geschwungenen Zeilen. „Liebe Frau Winter, mit großer Freude können wir Ihnen mitteilen, dass sie den 1. Platz unseres Gewinnspieles gewonnen haben. Damit stehen Ihnen zwei wunderschöne Wochen im Weihnachtsferiendorf Santa Claus Village am Polarkreis im Herzen des Dorfes des Weihnachtsmannes in Rovaniemi/Finnland bevor, wo Ihnen eines unserer Ferienhäuser zur Verfügung gestellt wird. All unsere Aktivitäten sind in diesem Gewinn mit inbegriffen. Bitte melden Sie sich bei der Ankunft im Büro des Weihnachtsmannes. Alles Weitere entnehmen Sie bitte dem beigelegtem Prospekt. Das gibt es doch gar nicht! Das wäre ja toll und Maddy würde sich gerne freuen, aber sie glaubte immer noch an eine Verwechslung. Dennoch nahm sie jetzt den Prospekt zur Hand. Mein Gott war das schön! Es sah aus wie im Märchen. Wunderschöne schneebedeckte Holzhütten, hunderte vom bunten Lichtern und wo das Auge hinschaut, weihnachtlicher Schmuck. Genau wie Maddy es liebte! Wie oft hatte sie die Stadt des Weihnachtsmannes in Fernsehdokumentationen gesehen und wie oft hatte Sie sich dorthin gewünscht. Und das sollte auf einmal wahr werden? In diesem Moment hatte sie sogar Jens vergessen und fühlte ein wundervolles Kribbeln im Bauch. Mama! Dachte sie plötzlich. Ich muss sie anrufen! Sicher hat sie das Preisausschreiben für sie eingeschickt. Schnell griff sie zum Telefon und wählte aufgeregt die Nummer ihrer Mutter.
„Ja Hallo“, meldete sich eine Stimme“, Winter.“
„Hey Mama, ich bin es, Maddy. Danke, Danke, Danke dir! Da wollte ich schon immer hin!“
„Wo wolltest du schon immer hin? Und wofür dankst du mir?“ fragte Maddys Mutter überrascht.
„Na für die Teilnahme am Preisausschreiben. Ich habe den 1. Platz gewonnen! Zwei Wochen in Santa Claus Village!“ In der Leitung blieb es einen Moment still. Dann hörte Maddy ein kurzes Räuspern und die Worte:“ Nein, mein Kind, da musst du dich täuschen. Ich habe nirgendwo teilgenommen.“ Maddy rutschte tiefer in ihr Sofa. „Hast du nicht?“, fragte sie verwundert,“ ja wer denn dann?“ 



Amily-Eine Familie zu Weihnachten

Amily, zehn Jahre alt, verliert, kurz vor Weihnachten, bei einem Autounfall ihre Mutter, die sie alleine erzogen hatte. Darauf hin muss das Mädchen in ein Heim, wo sie furchtbar gemobbt wird. Die kleine Eislaufprinzessin kann sich hier ihrem teuren Hobby nicht mehr widmen und eine Welt bricht für sie zusammen. Doch dann kommt der kleine Tim in die Obhut des Kinderheims und die beiden machen eine aufregende Entdeckung, die sie fest zusammenschweißt. Zusammen planen sie die Flucht, die zur kalten Jahreszeit sehr abenteuerlich wird. Amily
will unbedingt nach Charlotte, denn dort wohnt ihre Großmutter, die allerdings nichts von ihrer Enkelin weiß. Wird Amily
ihr Herz gewinnen können?


LESEPROBE:

Lisa drehte sich zu ihrer Tochter um. „Hast du die Schlittschuhe? Wir müssen uns beeilen!“ Amily nickte. Schnell verstaute sie ihr langes blondes Haar unter ihrer Mütze und schnappte sich dann die rosa Sporttasche, die vor ihr auf dem Boden stand. Ihre großen blauen Augen schauten strahlend hinüber zu ihrer Mutter. „Die letzte Probe vor dem Turnier Mom, ich bin so aufgeregt!“

Lisa, eine junge hübsche Frau Mitte dreißig, schaute ihre Tochter, die sie alleine  großzog, liebevoll an. Den Stolz auf ihr Kind konnte man ihr von den Augen ablesen, die die Farbe von Bernstein hatten. Ihre blauen Augen hatte Amily von ihrem Vater geerbt, der schon in sehr jungen Jahren verstarb. Amily war damals noch kein Jahr, als ein Polizist Lisa die Schreckensnachricht überbrachte. Das Herz ihres Ehemannes war einfach stehen geblieben. Trotz seiner jungen Jahre. Man fand ihn leblos an seinem Schreibtisch im Büro der Bank, in der er damals arbeitete. Lisa war bis heute noch nicht darüber hinweggekommen und hatte nie mehr einen Mann in ihre Nähe gelassen. Amily war alles für das sie lebte. Ihr gab sie ihre ganze Liebe und bekam sie von dem Kind doppelt und dreifach zurück. Als sie mit der damals Vierjährigen ein Musical auf dem Eis besuchte, entflammte das Kind für das Schlittschuhlaufen und Lisa erfüllte ihrer Tochter gerne den Wunsch nach Unterricht. Schnell stellten sie fest, wie begabt das Mädchen im Eislauf war.

Und bereits im Alter von sechs Jahren nahm Amily an ihrem ersten Turnier der Region teil und wurde Zweite. Heute, mit zehn Jahren trainierte sie für die Meisterschaften von Woolfscreek, die jedes Jahr zur Weihnachtszeit statt fanden. Endlich war sie alt genug, denn diese Meisterschaft war ab zehn Jahren. Das Mädchen hatte hart und diszipliniert an ihrer Kür gearbeitet und in ein paar Tagen war es soweit. Ihre erste große Meisterschaft! Aus ganz South Carolina kommen die besten Läuferinnen im Alter zwischen zehn und sechzehn Jahren, um den begehrten Titel zu holen. Amily hatte sich fest vorgenommen, dass sie dieses Mädchen sein wird, welches den Pokal entgegennehmen wird. Bei diesem Gedanken strahlte das Kind über das ganze Gesicht. Lisa zwackte ihr liebevoll in die Wange und sprach: „Ich gönne es dir von Herzen mein Kind! Aber nun komm bitte, „ermahnte sie das Mädchen, „du weißt Madame Perrida wartet nicht gerne!“

Lisa schloss nun die Türe hinter sich ab und sie liefen zum Aufzug. Amily drückte auf den Pfeil nach unten. Sie lebte hier in diesem Mietshaus mit ihrer Mutter in einer kleinen, aber sehr gemütlichen Dreizimmer Wohnung. Es war ein ruhiges, ordentliches Viertel hier in Woolfscreek, das war damals bei der Wohnungswahl sehr wichtig für Lisa gewesen, die selber aus Chicago kam und in weniger guten sozialen Verhältnissen aufgewachsen war. Das wollte sie ihrer eigenen Tochter ersparen. Auch wenn Lisa eine gute Witwenrente hatte, ging sie hart arbeiten um ihnen beiden ein angenehmes Leben ermöglichen zu können. Amelys Hobby war nicht gerade billig und die Wohnung in dieser guten Wohngegend auch nicht. Nun, sie kamen zurecht und hatten ja sich beide, und sie hielten zusammen wie Pech und Schwefel. Denn Verwandtschaft gab es keine mehr. Lisas Eltern sind beide verstorben und ihr kleiner Bruder erlag sehr früh einer schweren Krankheit.

Lisa löste sich nun von ihren Gedanken und sah ihre Tochter an, die an der silbernen Fahrstuhl Wand lehnte. Wie hübsch das Kind doch ist, dachte sie voller Stolz. Rot der Mantel, sowie auch die Mütze, unter der Amily langes blondes Haare trug. Meerblaue Augen blickten verträumt über dem wohl geschwungenen Näschen in die Gegend. Als Amily Lisas Blick wahr nahm, lächelte sie. Lisa lächelte warm zurück. „Was hältst du davon, mein Schatz, wenn wir nach der Probe zusammen einen Weihnachtsbaum kaufen gehen?“ Amily jubelte erfreut, sie mochte die künstlichen Tannen nicht, sie liebte den Duft der echten Bäume. „Oh ja, Mom,“ rief sie voller Vorfreude, „das machen wir!“ Dass sie diesen Baum jedoch niemals zusammen schmücken würden, davon ahnte in diesem Moment keiner von beiden etwas. Und doch nahm das Schicksal seinen Lauf. 





Arbeitscover 

Miraly-Im Land der Elfen-Der gestohlene Dezember


Hätte Leni jemand gesagt, dass sie in den Sommerferien Weihnachten feiern würde, sie hätte es nicht geglaubt! Doch alles ist möglich, ist die neue Freundin eine Elfen Prinzessin und deren Onkel ein verschrobener Erfinder. Vielleicht werden die Ferien bei ihrer Großmutter doch nicht so langweilig, wie Leni erst dachte. Und erst recht nicht, als sie erfährt, dass jemand im Elfen Land Weihnachten boykottiert. Wird es Leni und ihrer neuen Freundin Miraly gelingen, das Weihnachtsfest noch rechtzeitig zu retten?



Leseschnipsel

Miraly, im Land der Elfen-Der gestohlene Dezember (Rohfassung)

Leni schmiss erst die Türe zu, und dann Ihren Ranzen in die Ecke. Ferien! Endlich! Sechs Wochen ohne Fräulein Schubert! Und drei Wochen Korsika! Der erste Urlaub seit drei Jahren! Endlich konnte sich ihr Vater mal von seinem Geschäft lösen und einfach nur für die Familie da sein. Er arbeitete viel und schwer, um Leni und ihrer Mutter ein angenehmes Leben zu bieten. Leni lief nun Richtung Küche. Wo war denn Mama nur? Sonst hörte sie schon ihr fröhliches Singen, sowie sie nur den Flur betrat, heute jedoch empfing sie nur ungewohnte Stille. „Mama, wo bist du?“ rief sie nun, doch niemand antwortete. Komisch, dachte sie, Mama wusste doch, dass sie zu Ferienbeginn nur zwei Stunden Schule hatten, und sie war immer zu Hause, wenn Leni Mittags heim kam. Leni schaute kurz in den Spiegel der Flurgarderobe. Ja, Susi hatte recht. Das kurze blonde Haar stand ihr sehr  gut und betonte ihre großen grünen Augen. Erst war Leni gar nicht so begeistert gewesen, als ihre Mutter ihr vorschlug, für den Urlaub die Haare abzuschneiden. Das wäre besser bei der Hitze und auch leichter zu frisieren, hatte sie gemeint. Wo Mama recht hat, hat sie recht, dachte Leni und nachdem sie nun in jeden Zimmer nachgeschaut hatte, stand fest, Mama war nicht da! Gerade als Leni überlegte, ob sie ihre Mutter auf dem Handy anrufen sollte, hörte sie, wie die Wohnungstür aufgeschlossen wurde. Mama! Dachte sie freudig, doch die Frau, die jetzt in den Flur trat, war nicht Mama. Das war eine Polizistin! Leni schaute erschrocken zu der Polizei Beamtin. „Was ist passiert?“ fragte sie ängstlich. Wenn die Polizei nach Hause kommt, ist doch immer was passiert! Die junge Beamtin schaute Leni mitfühlend an und stellte sich erst mal vor:“Hallo, Du musst Leni sein, ich bin Susanne Reinhart.“ Sie reichte Leni ihre Hand, die diese zitternd ergriff:“Wo ist meine Mutter?,“ fragte Leni ängstlich,“ist ihr etwas passiert?“ Frau Reinhart strich dem elfjährigem Mädchen beruhigend über den Kopf:“Nein, nein. Deine Mutter geht es gut. Aber Dein Vater hatte einen schweren Unfall und wollte in eine Spezialklinik in der Schweiz; und deine Mutter ist mit geflogen. Sie bat mich, dir ein paar Sachen zusammen zu packen und Dich zu deiner Großmutter zu bringen.“ Leni sah sie entsetzt an.“Papi,“sagte sie nun und senkte die Augen,“wir wollten in Urlaub fahren.“ Susanne schüttelte traurig den Kopf:“ Das wird wohl jetzt nichts, Leni. Dein Vater wird Wochen brauchen um zu genesen.“ Nun musste Leni doch weinen. Papa ein Unfall und schwer verletzt, Mama nicht zu Hause und ein ins Wasser gefallener Urlaub! Na, die Sommerferien fingen ja toll an! Und nun sollte sie zu Oma Lehnchen, die sie zwar sehr mochte, bei der es aber sicher sehr langweilig den Sommer über werden würde. Leni seufzte, fügte sich aber dann:“Na, dann werde ich mal meinen Koffer packen,“schluchzte sie,“ ich habe ja keine andere Wahl.“ Susanne schüttelte den Kopf:“Nein, Leni, leider nicht.“



Als sie eine Stunde später bei ihrer Großmutter ankamen, stand diese schon wartend am offenen Tor. Ihre Tochter hatte sie telefonisch darüber informiert, was vorgefallen war. Leni sprang aus dem Auto, direkt in die offenen Arme ihrer geliebten Omi.“Ach Omi,“schluchzte sie, „ist das nicht alles ganz furchtbar?“ Lehnchen Malmer drückte ihre Enkelin fest an sich:“Ja, mein Schatz, ganz schlimm ist das, was Deinem Vater passiert ist.“ Dann begrüßte sie Susanne, die Lenis Koffer abstellte und der alten Dame ihre Hand reichte:“ Guten Tag Frau Malmer, ich bin Susanne Reinhart und wurde beauftragt Leni zu Ihnen zu bringen.“ Lehnchen Malmer strich eine ergraute Haarsträhne aus ihrem Gesicht. „Ja, meiner Tochter hat mir schon Bescheid gegeben.“erklärte sie der Polizistin. Susanne lächelte sie an:“ Ich muss dann auch schon wieder los,“sprach sie und winkte Oma Lehnchen und Leni zu,“ trotz allem schöne Ferien, Leni.“ „Danke,“ winkte Leni murmelnd zurück. Was sollen das wohl für Ferien werden, hier auf dem Dorf, dachte sie.Hier gab es ja noch nicht mal ein Mädchen in ihrem Alter. Doch da hatte ihre Großmutter eine Überraschung für sie parat. Als sie zusammen beim Abendbrot saßen, rückte sie damit heraus. Kauend sah sie ihre Enkelin an:“ Du kennst doch Frau Schauer, vom Nachbarhof?“fragte sie Leni und schluckte den Rest ihres Leberwurstbrotes hinunter. Leni nickte:“Klar, kenne ich sie, warum?“ Leni schnappte sich noch eine der schwarzen Oliven aus dem kleinen Schälchen mit dem Rosen Dekor, sie liebte Oliven.Oma Lehnchen schenkte sich von dem Hagebuttentee nach.Leni jedoch winkte ab, als sie auch ihr die Tasse auffüllen wollte. Eine Tasse von dem Zeug langte ihr! Oma Lehnchen stellte die Kanne ab und lächelte Leni zu:“ Frau Schauer hat eine Enkelin, die in Irland lebt. Diese Ferien wird sie hier verbringen , bei ihrer Großmutter und ich habe mir gedacht wir könnten sie doch mal einladen, vielleicht könnt ihr ja Freundinnen werden.“Fragend schaute sie Leni an. Diese horchte interessiert auf. Ein Mädchen aus Irland. Das klangt interessant! Vielleicht würden die Ferien doch nicht so langweilig werden. Aufgeregt sah sie nun ihre Großmutter an:“Klar Omi, sehr gerne, wie heißt sie denn?“ Oma Lehnchen dachte nach:“ Hm, warte da muss ich überlegen. Der Name war mir total unbekannt. Irgendwas mit M. Ma, Mu,nein, Miraly war es!“ fiel ihr nun der Name des Mädchen wieder ein.Leni sprang auf.“Was für ein wunderschöner, geheimnisvoller Name, Omi!“ rief sie. Nun konnte sie kaum mehr abwarten, das Nachbarmädchen einzuladen.

Die erste Nacht bei der Großmutter verbrachte Leni mit wirren Träumen. Träumen vom Unfall des Vaters, von grünen Wiesen in Irland und von dem geheimnisvollen Mädchen Miraly. Miraly!dachte sie nun freudig, als ihr die Sonne an der Nase kitzelte und sie dadurch richtig wach geworden war. Heute Nachmittag würde sie sie besuchen kommen! Schnell schlug Leni die Decke weg und sprang fröhlich aus dem Bett. Ferien! Auch wenn das schlimm war, was ihrem Vater passiert war,irgendwie fühlte Leni, dass diese Ferien etwas ganz besonderes werden würden.Es war Drei Uhr am Nachmittag, als es endlich an der Türe klopfte.Schnell sprang Leni von ihrem Stuhl, rannte durch den Flur, riss ihre Großmutter fast um, und öffnete die Tür. Doch was war das? Leni petzte ihre Augen zusammen und rieb sie ungläubig. Dort vor der Türe stand ein glitzernder Lichtstrahl!In den schönsten Regenbogen Farben!Kurz blendete er Leni und sie schloss erschrocken die Augen. Doch dies war nur eine Sache von Sekunden und Leni fragte sich, ob sie nicht vielleicht nur geträumt hatte, als der Strahl sich nun auflöste und ein paar goldenen Locken zum Vorschein kamen.Diese umrahmten das schönste Gesicht, das Leni jemals gesehen hatte! Leni blickte in zwei wunderschöne große blaue Augen, die fast schon ins Lilafarbene übergingen. Umrahmt waren diese, mit langen, dunklen Wimpern und ein süßes Stupsnäschen saß über rosafarbenen, wohl geschwungenen Lippen. Das Haar war goldblond, lang und lockig mit einem bläulichen Schimmer. Wo kam dieser bloß her? Das geheimnisvolle Mädchen riss Leni nun aus ihren Gedanken und sprach sie freundlich lächelnd an. „Hallo, Du musst Leni sein. Ich bin Miraly.“ stellte sie sich vor und reichte Leni ihre Hand. „Ja, ich habe Dich schon erwartet Miraly, komm doch erst mal hinein.“ forderte Leni sie nun lächelnd auf. Leni war aufgeregt wie lange nicht mehr, als das Nachbar Mädchen nun auch Oma Lehnchen begrüßte und ihnen dann in die gute Stube folgte, wie Oma Lehnchen ihr Wohnzimmer nannte. Als beide nun Platz genommen hatte, brachte Oma Lehnchen den Kuchen und Kakao und sah die Mädchen freundlich an:“Ich lasse euch erst mal alleine, damit Ihr Euch kennen lernen könnt.“ meinte sie lächelnd und ging zurück in die Küche. Leni rutschte aufgeregt auf ihrem Stuhl hin und her.Sie hatte so viel Fragen an Miraly. Heimlich sah sie das blonde Mädchen an. Das war komisch! Da lag wirklich ein blauer Schimmer um ihr Haar! Leni musste Miraly einfach danach fragen:“Sag mal,  Miraly, bilde ich mir das ein, oder hat dein blondes Haar einen blauen Schimmer?“ Miry schaute Leni erstaunt an:“Das kannst du sehen?“ fragte sie mit ungläubigen Augen.Nun war Leni verdutzt. „Warum sollte ich es nicht sehen können, wenn es doch vorhanden ist?“ Miry sah Leni mit ihren ungewöhnlichen Blau-lila Augen an:“Das verrate ich Dir vielleicht später mal,“sprach sie,“ und nenne mich doch bitte Miry.“Leni war ratlos. Na toll, da fing ihre Freundschaft gleich mit einem Geheimnis an! Doch die Aussicht, doch noch Mirys Geheimnis erfahren zu dürfen, stimmte Leni milde und so sprach sie:“Gerne nenne ich dich Miry, wenn du das möchtest.Erzählst du mir ein wenig von Irland?“fragte sie nun neugierig. Miry nickte und stellte ihren Kakao ab. „Irland ist das schönste Land das ich kenne,“schwärmte sie,“wunderschöne Natur, viel Grünes Land und herrliche Küsten. Und ganz viel Magie.“ schloss sie ihre Beschreibung. „Magie?“ fragte Leni erstaunt. Miry sah Leni geheimnisvoll an:“Ja, Magie!,“ bestätigte sie Lenis Frage,“es kann sie nur nicht jeder sehen.“ Leni legte ihren Kuchen, von dem sie gerade abbeißen wollte, verstört zurück auf ihren Teller.“So, wie das Leuchten von deinem Haar?“ fragte sie Miraly. Diese jedoch zwinkerte ihr nur zu:“Vielleicht.“ meinte sie mit einem verschmitzten Lächeln und drehte eine ihre Locken um ihren Finger.Und wieder sah Leni es! Rund um die Haarsträhne war ein blaues Leuchten! Leni nahm sich vor, Oma Lehnchen zu fragen, ob auch sie es sah.Oder wirklich nur sie es sehen konnte.Aber jetzt erstmal, wollte Leni Miry ihr Zimmer zeigen,welches früher ihrer Mutter gehört hatte. Sie ergriff Mirys Hand und zog sie vom Stuhl:“ Komm Miry, ich zeige dir mein Zimmer!“


Am Abend, als Miry längst schon wieder zu Hause war, dachte Leni immer noch über dieses sonderbare Mädchen nach.Viel hatte sie nicht mehr aus ihr herausbekommen, als sie zusammen in Lenis Zimmer saßen und Leni Miry ein wenig über sich, sowie auch Vaters Unfall erzählte. Doch eine Gemeinsamkeit hatten die Mädchen schon entdeckt, als Leni Miry ihre Elfen Bildchen Sammlung zeigte. Beide mochten Elfen! Leider stand Lenis Porzellan Elfen Sammlung zu Hause, und so konnte sie diese Miry nicht zeigen, aber Miry war schon alleine von den vielen Poesie Bildchen entzückt. „Glaubst du eigentlich an Elfen?“ hatte sie Leni gefragt und diese hatte verneint:“Nein, nicht wirklich. Aber ich finde sie wunderschön!“hatte sie mit einem strahlenden Lächeln erwidert. Miry hatte darauf nur ganz abwesend auf die Bildchen geschaut und  geflüstert:“Vielleicht gibt es sie ja doch.“ Aber dies, hatte Leni gar nicht mitbekommen. Dann hatte man sich verabschiedet und für den nächsten Tag ein Treffen bei Miry ausgemacht. Nun also saß Leni mit ihrer Großmutter am Tisch, auf dem das Abendbrot stand.Leni schaute abwesend auf den Aufschnitt, dann schaute sie Oma Lehnchen fragend an und fragte:“ Sag mal, Omi, hast du auch diesen leichten blauen Schimmer auf Lenis Haar bemerkt?“ Die alte Dame schaute Leni erstaunt an:“Was für einen blauen Schimmer, mein Kind?“wollte sie wissen. Doch Leni winkte ab:“Ach, ist schon gut,Omi.“ Wenn ihre Großmutter den blauen Schimmer nicht gesehen hatte, fand Leni es besser, vorerst darüber nichts mehr zu erwähnen. Irgendwann, so hoffte sie, würde Miraly sie schon aufklären, was es damit auf sich hatte.


Am nächstens Tag machte sich Leni dann freudig auf den Weg zum Nachbarhaus. Miraly meinte gestern zu ihr,sie solle ihren Badeanzug mitnehmen, ihre Großmutter hätte einen Pool im Garten.Und dass Miralys Onkel Rudolf, der noch zu Hause bei seiner Mutter lebte, heute Nachmittag auch grillen wollte und Leni darum nicht so viel zu Mittag essen sollte. Das fiel Leni heute nicht sehr schwer, denn es gab Linsensuppe bei Oma Lehnchen, und diese, mochte sie überhaupt nicht. Nun aber, lief sie fröhlich singend, zu dem Haus von Miralys Großmutter. Das kleine Backsteinhaus war umrahmt von einem großen Garten, aber auf der Vorderseite war kein Swimmingpool zu sehen. Na, dachte Leni, dann befindet sich dieser wohl hinter dem Haus. Sie öffnete das unverschlossene Tor und klopfte an die Türe. Aber nicht Miraly oder ihre Großmutter öffneten diese für Leni, nein, das war ein junger Mann, der das Aussehen eines alten Professors hatte! Im Gegensatz zu seinen wohl erst dreißig Jahren, umrahmten seinen Kopf nur noch ein paar wirr abstehende blonde Haare,die Nickelbrille saß schief auf seiner großen Adlernase und seine karierten Hosen wurden von altmodischen Hosenträgern gehalten und sein rotes Hemd hing halb aus dem Hosenbund. Leni musste sich sehr zusammenreißen, um nicht laut los zu lachen. Dieser Mann, der wohl Onkel Rudolf sein musste, sah aber auch zu witzig aus. Miraly, die nun hinter ihrem Onkel erschien, stellte beide vor und bat Leni dann, erst mal mit auf ihr Zimmer mit zu kommen. Dort angekommen konnte Leni nicht mehr und prustete heraus:“ Sag mal, warum sieht dein Onkel denn aus wie ein verwirrter Professor?“ Miraly musste mitlachen. „Hahaha, ja, mein Onkel Rudolf ist schon so eine Marke,da hast du recht, aber ein ganz lieber Mensch. Professor passt, er ist immer am Irgendwas erfinden unten in Omas Keller.Ich darf dort aber nicht rein,“ meinte sie traurig,“ das macht mich natürlich noch neugieriger, als ich schon bin.“ „Oh,“ meinte Leni darauf,“ das klingt ja spannend.“ Sie setzten sich auf Miralys Bett und Leni nahm eine von Miralys Haarsträhnen in ihre Hand.“Wirst du mir nun verraten, warum dein Haar blau leuchtet? Und warum nur ich das sehen kann? Großmutter nämlich, die sieht es nicht.“wollte sie nun von Miraly wissen. Miraly schüttelte den Kopf. „Noch nicht, Leni,“meinte sie, „ich muss mir erst ganz sicher sein.“ „Sicher worüber?“ fragte Leni erstaunt. Das wird ja immer geheimnisvoller,dachte sie und sah Miraly fragend an. „Auch das kann ich dir erst sagen, wenn ich sicher bin.“ erklärte diese. Nun verstand Leni gar nichts mehr. „Und wann bist du dir sicher, über das, was du erst sagen möchtest , wenn du eben sicher bist?“ Gott, was für eine umständliche Frage, dachte Leni und musste über sich selber lachen. Miraly stimmte ihn Lenis Lachen mit ein. „Geduld, Geduld.“ prustete sie heraus und sprang vom Bett auf. „Komm, gehen wir schwimmen, ich hoffe du hast deinen Badeanzug mitgebracht.“ „Klar,“ gab Leni zurück; und nachdem beide sich umgezogen hatten, gingen sie hinaus in den hinteren Garten. Gott, ist das schön hier, dachte Leni, als sie nun barfuß hinaus auf die Terrasse trat. Palmen artige Pflanzen in Kübeln standen dort, bunte Blumen Beete an den Seiten, riesige weiße Windlichter , eine Hollywoodschaukel, sowie ein gemütlicher Strandkorb.Und auf der Wiese standen ein Grill , sowie ein Garten Sitz Garnitur mit großem Sonnenschirm. Und dort dahinter stand er, der Swimmingpool! Leni kannte zwar kein Neid, aber so einen Garten hätte sie auch gerne! Sie drehte sich zu Miraly um, die gerade durch die Terrassen Türe kam:“ Mensch Miry,“sagte sie begeistert,“ du hast ja das reinste Paradies bei deiner Oma!“ Miraly strahlte Leni stolz an. „Ja,“, meinte sie fröhlich und ergriff Lenis Hand,“und noch schöner wird alles mit einer Freundin.Komm,lass uns schwimmen gehen!“ Hand in Hand und laut jauchzend, sprangen die beiden nun in das kühle Nass. Der Pool war groß genug um dort drinnen wirklich schwimmen, und nicht nur plantschen zu können. Herrlich! Leni und Miraly lachten laut, als sie sich jetzt gegenseitig mit Wasser bespritzten. Heisa, machte das einen Spaß bei dieser Hitze!Mitten in ihrem fröhlichen Spiel, trat nun Frau Schauer, Miralys Großmutter, zu ihnen an den Swimmingpool. Frau Schauer war eine rundliche kleine Frau mit ergrauten Haar, die nicht nur guten Kuchen backte, sondern ihn auch gern und viel aß, wie unter der bunten Schürze, die sie trug, gut zu sehen war. Das Bäuchlein und die rosigen fleischigen Wangen jedoch, gaben dieser freundlichen Frau ein gemütliches und gütiges Aussehen. „Ach, deine neue Freundin ist ja schon da!“rief sie fröhlich über den Rand des Pools,  und winkte Leni grüßend zu. Leni winkte fröhlich aus dem Wasser zurück:“Hallo Frau Schauer, tollen Garten haben Sie!“ „Danke,“antwortete Miralys Großmutter,“ich war in der Küche Kuchen backen für Sonntag. Rudolf schmeißt sicher bald den Grill an, wenn er sich mal von seinen Erfindungen lösen kann.“lachte sie. Leni und Miraly lachten zurück. „Was erfindet Onkel Rudolf denn so?“ fragte Leni neugierig, doch Frau Schauer winkte nur stirnrunzelnd ab:“ Ich glaube, dafür gibt es gar keine Namen, aber Manches wirst du bestimmt noch kennenlernen!“ Frau Schauer griff nun in ihre Kittelschürze und brachte zwei gelbe Eier zum Vorschein. Diese hielt sie nun Leni und Miraly hin. „Das soll ich euch beiden von Onkel Rudolf geben.“sprach sie. Erstaunt nahmen die Mädchen die Eier entgegen und sahen sich fragend an. Was soll das bloß sein?“ Sie schüttelten die Eier, hielten sie lauschend ans Ohr, aber zu hören war nichts.“ Miraly sah ihre Großmutter an:“Was um Gottes Willen soll das sein Großmutter?“fragte sie. Frau Schauer zuckte mit den Schultern.“Keine Ahnung, Kind. Rudolf meinte, ihr würdet das nachher brauchen.“ „Ja aber, für was braucht man denn gelbe Eier?“ fragte Leni erstaunt. Die Antwort kam nun von Onkel Rudolf selber, der soeben am Swimmingpool erschien. „Das sind fleißige Bienchen!“ meinte er stirnrunzelnd,“ihr könnt sie gleich mal ausprobieren.“ Die Mädchen sahen sich an. Eier, Bienchen, ja was denn nun? Onkel Rudolf fiel ein, dass er den Mädchen ja gar nicht mitgeteilt hatte, wie sie diese fleißigen Bienchen behandeln sollten. „Ihr müsst dreimal auf diese Eier klopfen, dann werden die Bienchen wach. Und dann, dann sagt ihr ihnen, was sie tun sollen!“ Leni sah Onkel Rudolf ungläubig an. Fantasiert dieser Mann? So was gab es doch nur in Märchen! Miraly jedoch, die ihren Onkel besser kann, klopfte dreimal gegen das Ei. Lenis Augen wurden immer größer, als sie wahr nahm, wie darauf Mirys Ei begann, sich nun quietschend zu öffnen. Das gibt es doch gar nicht! Das gelbe Ei in Miralys Hand öffnete sich langsam in der Mitte. Die zwei Ei Hälften bogen sich nach unten und hervor kam ein gestreifter schwarz gelber Körper aus Stahl. Aus diesem bohrte sich ein Propeller nach oben und zwei Flügel zur Seite hinaus. Unter den Flügeln befanden sich Greifarme. Der Kopf des fleißigen Bienchen glühte im roten Licht und machte komische piepsende Laute. Leni hielt den Atem an. Das war eine Art Roboter !!  Miraly sah erst ungläubig auf ihre Hand, und dann zu ihrem grinsenden Onkel.“Und nun?“fragte sie ihn aufgeregt. „Sag ihr was sie tun soll!“ erwiderte Onkel Rudolf. Miry überlegte kurz dann hob sie ihre Hand, und schaute dieses piepsende Ding an. „Gehe und hole mir mein Handtuch von Stuhl!“ Nichts! Es tat sich absolut nichts! Onkel Rudolf erklärte auch gleich wieso das so war:“Du musst den Satz immer mit liebes Bienchen beenden.“ meinte er zu Miraly. Leni und Oma Schauer sahen nun gespannt auf das Bienchen, als Miry den Satz nochmals wiederholte:“ Gehe und hole mir mein Handtuch von Stuhl,liebes Bienchen!“ Alle erschraken leicht, als das Licht des Bienchens nun wie wild flimmerte,und dann dieses Etwas auch noch zu sprechen anfing !“Bienchen hat verstanden, Bienchen holt das Handtuch!“ Darauf hin fing der Propeller des Bienchens an sich zu drehen, es erhob sich und flog aus Miralys Hand. Neugierig verfolgten vier Augenpaare dieses Tierchen aus Stahl,welches nun wirklich in Richtung des Stuhles flog, auf dem die Mädchen die Handtücher gelegt hatten. Über einem diese Handtücher blieb das Bienchen in der Luft stehen, streckte seine Greifarme aus und schnappte sich das Handtuch. Dann flog es zurück zu Miraly, die stumm,mit vor Staunen offenen Mund das Handtuch entgegen nahm. Doch was war das? Das Bienchen piepste aufgeregt vor sich hin und schüttelte seinen Bauch. Was wollte es? Fragen sah Miraly zu ihrem Onkel:“Was will es?“ fragte sie. Leni schubste Myri leicht an und flüsterte ihr etwas ins Ohr, worauf Miraly ganz rote Wangen bekam. Natürlich, sie hatte vergessen, sich zu bedanken! Das holte sie jetzt nach, worauf das Bienchen fröhlich aufleuchtete und sich wieder zusammenklappte.“Uff!“ war alles was die Mädchen nun heraus bekamen.Leni schaute auf ihr Ei und dann zu Onkel Rudolf.“Darf ich das behalten?“ fragte sie den verschrobenen Erfinder. Dieser nickte.“Ja, sicher, die gehört jetzt dir!“ Glücklich sah Leni auf ihr Ei. Das würde ihr doch keiner glauben! Das musste sie Omi zeigen, aber jetzt erst mal raus aus dem Wasser. Schwimmen macht hungrig! Frau Schauer reichte Leni ihr Handtuch, das sie vom Stuhl geholt hatte. Die Mädchen trockneten sich ab und liefen dann schnell ins Haus um sich umzuziehen, während Onkel Rudolf den Grill anzünden wollte. Leni ließ sich auf Miralys Drehstuhl fallen und musste erst mal zu sich kommen. „Das ist der Wahnsinn,“meinte sie zu ihrer neuen Freundin,“ dein Onkel ist der Knaller!“